NaziCrimesAtlas

Was vom Nationalsozialismus bleiben wird, sind die Verbrechen.

Dr. habil. Edith Raim (1965–2025) · Wissenschaftliche Leitung NaziCrimesAtlas

Der NaziCrimesAtlas auf dem iPhone: Übersicht, Karte und Detailansicht — drei Ebenen der App
Der NaziCrimesAtlas auf dem iPhone: Übersicht, Karte und Detailansicht — drei Ebenen der App. (Illustration: Wolfgang Hauck)

Auftakt 10. Dezember 2024, Berlin

Film zur Einführung mit Dr. Edith Raim †

Videobotschaft von Dr. habil. Edith Raim † zum Auftakt des NaziCrimesAtlas am 10. Dezember 2024 in Berlin. Aufnahme: 6. Dezember 2024 in Landsberg am Lech. Dauer: 6 Minuten. Mit ihrer Videobotschaft eröffnete Edith Raim das Projekt im Dezember 2024. Sie verstarb am 1. Juli 2025. In memoriam.
Karten-Ausschnitt zum Verbrechenskomplex Pogrome im NaziCrimesAtlas
Karten-Ausschnitt zum Verbrechenskomplex Pogrome im NaziCrimesAtlas. Über 3.000 Pins geben die Tatorte der Pogrome von 1938 auf der Deutschlandkarte an.

Beispielhaft

Ein dokumentierter Fall

Aus den rund 25.000 Einträgen ein Beispiel — wie es in der App zu sehen ist:

Drei App-Screenshots: Kartenübersicht „Pogrome
Screenshots aus der App: Übersicht Verbrechenskomplex „Pogrome" auf der Karte, Zoom auf Niedersachsen, und der Eintrag mit der ID 152 mit Texteintrag.
Datensatz-ID:
NCA-152
Verbrechenskomplex:
Novemberpogrom 1938
Ort:
Aurich, Niedersachsen
Datum:
November 1938

Festnahme von Frau Katz mitsamt Kind im November 1938. Herr Katz war in der Pogromnacht nicht in Aurich. Nachts wurden die Fenster in seinem Haus eingeworfen und die Haustür aufgebrochen. Auf ein Klopfen an der Schlafzimmertür bat Frau Katz, sich anziehen zu dürfen, bevor sie die Tür öffnen würde, nachdem sie bereits vorher mitgeteilt hatte, dass ihr Mann verreist sei. Die Tür wurde einfach aufgebrochen. Herr Katz wurde gesucht, aber nicht gefunden. Frau Katz wurde notdürftig bekleidet mit ihrem zweijährigen Kind festgenommen und an der brennenden Synagoge vorbei zur landwirtschaftlichen Halle, dem Sammelort für die verhafteten Juden in Aurich, geführt. Im Laufe des folgenden Tages wurde sie mit ihrem Kind entlassen. In ihrem Haus war Schmuck und Geld in ihrer Abwesenheit gestohlen worden.

Quelle: https://nazicrimesatlas.org/output/events/NCA-152-de.html ↗

Die Datenauszüge auf der Webseite dienen webbasierten Suchfunktionen. Für die wissenschaftliche Recherche und für die Archivsignaturen nutzen Sie bitte die App NaziCrimesAtlas. Dort finden Sie zu jedem Fall die vollständigen Quellenangaben, Aktenzeichen und weiterführenden Texte.

Was dokumentiert ist

In Zahlen

25.000
dokumentierte Gerichtsakten
8.000
deutsche Ortschaften
90 %
aller Kommunen

Die unzähligen NS-Verbrechen sind nicht in Gänze zu erfassen. Doch rund 25.000 Gerichtsakten dokumentieren Taten im heutigen Bundesgebiet. Sie zeigen Umfang und Details. In ihnen kommen Opfer und Täter aus den Verfahren nach 1945 zu Wort.

Diese Akten sind mehr als reine Dokumentation: Sie sind eine Anatomie der Verbrechen, der Rechtsbeugungsstrategien, der Ausreden, des Ausmaßes. Allein die Zahl von rund 8.000 Ortschaften — etwa 90 Prozent aller deutschen Kommunen — macht eines deutlich: Es war überall.

Viele Menschen fragen heute, ob jemand aus ihrer Familie an NS-Verbrechen beteiligt war oder Opfer wurde. Für die dokumentierten Fälle liefert der NaziCrimesAtlas eine erste Antwort. Er erfasst die Verfahren mit Tatorten im heutigen Bundesgebiet. Weitere rund 25.000 Verfahren betreffen Tatorte im Ausland; ihre digitale Aufarbeitung steht noch bevor.

Was wir zeigen

Die App zeigt NS-Verbrechen (1933–1945) in Deutschland

Der NaziCrimesAtlas zeigt, wo NS-Verbrechen stattfanden und welche Fälle nach 1945 juristisch untersucht wurden — rund 25.000 dokumentierte Verfahren mit Tatorten in Deutschland, auf einer interaktiven Karte. Die App macht die Tatorte ortsnah zugänglich. Sie ist seit 8. Mai 2025 für iOS und Android kostenfrei verfügbar und wird kontinuierlich erweitert.

Sie richtet sich an Initiativen der Erinnerungskultur, an Bildungseinrichtungen, an Redaktionen und an alle, die zur Aufklärung beitragen wollen. Niederschwellig zugänglich über das Smartphone, lokal verortet, demokratisch im Zugang.

Mehr über die App →

Berichterstattung

Film zum Jahrestag — ARTE Journal

Standbild aus dem ARTE-Journal-Beitrag zum NaziCrimesAtlas
Berichterstattung im ARTE Journal zum Start der App, 27. Januar 2026

Anlässlich des Jahrestags der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar 2026 berichtete das ARTE Journal über den NaziCrimesAtlas. Der Beitrag ist in der ARTE-Mediathek bis 27. Januar 2027 abrufbar.

Vertiefung

Filme, Vorträge, Podcast

Projektteam des NaziCrimesAtlas beim Auftakt in Berlin, Dezember 2024

Filmbeiträge und ein Vortrag dokumentieren den NaziCrimesAtlas: vom Auftakt 2024 in Berlin über das Netzwerktreffen 2025 in Augsburg bis zum Vortrag von Prof. Winfried Nerdinger.

In Print

Das Magazin zum NaziCrimesAtlas

Mockup des Magazins zum NaziCrimesAtlas, Ausgabe 2025
Das Magazin zum NaziCrimesAtlas, Ausgabe 2025: Digitale Erinnerungskultur in Wissenschaft und Praxis.

Das Magazin zum NaziCrimesAtlas versammelt wissenschaftliche Perspektiven und praktische Erfahrungen rund um digitale Erinnerungskultur und NS-Aufarbeitung. Beiträge von Prof. Dr. Hermann Pünder, Prof. Martin Stummbaum, Dr. Doris Danzer, Katrin Kasparek und anderen.

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Seit Mai 2025 erscheint der Newsletter zum NaziCrimesAtlas. Er berichtet über Projektstände, Veranstaltungen, Studien und Diskurse rund um digitale Erinnerungskultur — bisher 20 Ausgaben.

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Kostenfrei für iOS und Android. Niederschwellig, ortsnah, demokratisch zugänglich.