NaziCrimesAtlas

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Häufige Fragen zum NaziCrimesAtlas

45 ausführliche Antworten in 10 Themenblöcken.

Auf dieser Seite finden Sie ausführliche Antworten auf die häufigsten Fragen zu Projekt, Datenbasis, Tatkomplexen, Bedienung, App, Rechtlichem, Pädagogik, Methodik, Mitwirkung und Förderung. Für direkte Anfragen erreichen Sie uns unter info@nazicrimesatlas.org.

1. Über das Projekt

Was ist der NaziCrimesAtlas?

Der NaziCrimesAtlas (NCA) ist ein digitaler, ortsbezogener Atlas zu NS-Verbrechen der Jahre 1933 bis 1945. Er macht rund 25.000 dokumentierte Gerichtsakten zu Verbrechen mit Tatorten im heutigen Bundesgebiet als interaktive Karte und durchsuchbare Datenbank zugänglich. Verbrechen sind nach Tatkomplexen kategorisiert: Pogrome, Krankenmord, KZ-Verbrechen, Zwangsarbeit, Deportationen und mehr. Der Atlas ist sowohl als Web-Datenbestand auf nazicrimesatlas.org/output/ als auch als iOS- und Android-App verfügbar. Projektträger ist die dieKunstBauStelle e. V. mit Sitz in Landsberg am Lech, gefördert durch die Stiftung EVZ und das Bundesministerium der Finanzen.

Wer hat den NaziCrimesAtlas entwickelt?

Der NaziCrimesAtlas wurde von der dieKunstBauStelle e. V. entwickelt, einem gemeinnützigen Kulturverein in Landsberg am Lech. Die wissenschaftliche Leitung lag bei Dr. habil. Edith Raim † (1965–2025), Historikerin der NS-Verfolgung und Nachkriegsjustiz mit Habilitation an der Universität Augsburg; maßgebliche wissenschaftliche Vorarbeit leistete zudem Dr. Andreas Eichmüller. Projektleitung, Konzeption und Gestaltung verantwortet Wolfgang Hauck. Kooperationspartner für die technologische Grundlage ist der berlinHistory e. V., dessen App-Architektur die Basis für die NCA-App bildet.

Wann wurde der NaziCrimesAtlas gestartet?

Der NaziCrimesAtlas wurde im Juli 2024 als Projekt der dieKunstBauStelle e. V. gestartet. Die öffentliche Vorstellung erfolgte am 10. Dezember 2024 im Rahmen einer Pressekonferenz in Berlin. Die App für iOS und Android ging am 7. Mai 2025 in den jeweiligen App-Stores online. Seitdem wird der Atlas kontinuierlich erweitert und gepflegt.

Was ist das Ziel des Projekts?

Der NaziCrimesAtlas verfolgt drei zusammenhängende Ziele. Erstens: NS-Verbrechen ortsbezogen sichtbar machen — direkt dort, wo sie geschahen, mit präziser geografischer Verortung. Zweitens: das verstreute Wissen aus Gerichtsakten der Nachkriegsjustiz in einer öffentlich zugänglichen Datenbank zusammenführen, statt es in einzelnen Archiven verborgen zu lassen. Drittens: eine niedrigschwellige, mobile Anwendung anbieten, die Erinnerung im Alltag ermöglicht — am Schulweg, beim Stadtspaziergang, auf Reisen. Damit wird Erinnerungskultur lokal und partizipativ.

Warum heißt es „Atlas"?

Ein Atlas ist im klassischen Sinn ein systematisches kartografisches Werk, das einen Raum vollständig erschließt. Der NaziCrimesAtlas wendet dieses Prinzip auf die Verbrechen des Nationalsozialismus an: er erschließt den Raum Deutschland kartografisch im Hinblick auf alle dokumentierten Tatorte zwischen 1933 und 1945. Im Gegensatz zu thematischen Gedenkstätten, die einzelne Orte vertieft behandeln, leistet der Atlas die Übersicht — und macht zugleich sichtbar, wie flächendeckend die NS-Verbrechen waren.

Wie schreibt sich der Name korrekt?

Der offizielle Projektname lautet „NaziCrimesAtlas" — als zusammengeschriebenes Kompositum in CamelCase. In Wikipedia-Artikeln und einigen Medien wird auch die getrennte Schreibweise „Nazi Crimes Atlas" verwendet. Beide bezeichnen dasselbe Projekt; die zusammengeschriebene Form ist die vom Projektträger bevorzugte Schreibweise. Auf Deutsch ist außerdem der Untertitel „Digitaler Atlas NS-Verbrechen" gebräuchlich.

In welchen Wikipedia-Artikeln wird der NaziCrimesAtlas erwähnt?

Der NaziCrimesAtlas ist in mehreren Wikipedia-Artikeln als Referenz und Quelle verlinkt — als Beleg für die wissenschaftliche und öffentliche Anerkennung des Projekts. Bekannt sind unter anderem die Artikel zu Endphaseverbrechen, Novemberpogrome 1938, NS-Staat, Rheine, Jüdische Gemeinde Trabelsdorf, Jüdische Gemeinde Aurich sowie die Personenartikel zu Wolfgang Hauck und Dr. habil. Edith Raim. Eine vollständige Übersicht aller dokumentierten Wikipedia- und externen Erwähnungen finden Sie unter https://nazicrimesatlas.org/referenzen/.

Wo wird der NaziCrimesAtlas extern referenziert?

Der NaziCrimesAtlas wird in mehreren Kontexten extern referenziert. Erstens: in der deutschsprachigen Wikipedia als Quelle in derzeit acht Artikeln zu Tatkomplexen, Personen und lokalen Themen. Zweitens: auf der offiziellen Projektseite der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht. Drittens: in der überregionalen und internationalen Presse (siehe Pressespiegel). Diese externen Erwähnungen stärken die Verlässlichkeit und Auffindbarkeit des Projekts als wissenschaftliche Referenz.

2. Datenbasis und Quellen

Wie viele Akten und Tatorte sind dokumentiert?

Aktuell sind rund 25.000 Gerichtsakten zu Tatorten im heutigen Bundesgebiet dokumentiert. Diese verteilen sich auf etwa 8.000 Ortschaften, was rund 90 Prozent aller deutschen Kommunen entspricht. Weitere rund 25.000 Verfahren mit Tatorten im Ausland (besetzte Gebiete während des Krieges) sind in Vorbereitung und sollen in einer späteren Projektphase erfasst werden.

Aus welchen Archiven stammen die Daten?

Die Datenbasis beruht im Wesentlichen auf den Gerichtsakten der Nachkriegsverfahren in Deutschland. Hauptquellen sind die Zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen in Ludwigsburg, das Bundesarchiv mit seinen verschiedenen Standorten, die Arolsen Archives (ehemals International Tracing Service) und Yad Vashem in Jerusalem. Hinzu kommen Landes- und Staatsarchive der Bundesländer sowie zahlreiche Kommunalarchive für lokal spezifische Quellen.

Welcher Zeitraum ist abgedeckt?

Der Atlas dokumentiert NS-Verbrechen zwischen dem 30. Januar 1933 (Machtübernahme der Nationalsozialisten) und dem 8. Mai 1945 (Kriegsende in Europa). Die zugrundeliegenden Gerichtsverfahren stammen aus der Nachkriegszeit ab 1945 bis in die Gegenwart — von Hauptverfahren der ersten Nachkriegsjahre über die Ulmer Einsatzgruppenprozesse bis zu späten Verfahren des 21. Jahrhunderts gegen hochbetagte Wachmänner aus Konzentrationslagern.

Welcher geografische Raum ist erfasst?

Der NaziCrimesAtlas in seiner aktuellen Form erfasst Tatorte im heutigen Bundesgebiet — also dem Gebiet der Bundesrepublik Deutschland in den Grenzen seit 1990. Damit eingeschlossen sind die ehemalige DDR und die ehemaligen Bundesländer der alten Bundesrepublik. Eine Erweiterung auf Tatorte im Ausland (besetzte Gebiete während des Zweiten Weltkriegs) ist für eine spätere Projektphase vorgesehen — weitere rund 25.000 Verfahren liegen dazu bereits gesammelt vor.

Wie wurden die Daten zusammengetragen?

Die Datensammlung basiert auf jahrzehntelanger historischer Forschungsarbeit, insbesondere durch die Zentrale Stelle in Ludwigsburg und Institutionen wie das Institut für Zeitgeschichte München. Dr. habil. Edith Raim brachte mit ihrer Habilitation zur „Justiz zwischen Diktatur und Demokratie" und langjähriger Forschung zu Wiederaufbau und Ahndung von NS-Verbrechen in Westdeutschland 1945–1949 die wissenschaftliche Grundlage in das Projekt ein. Die Aufarbeitung in eine ortsbezogene, digital nutzbare Form erfolgte im Projektzeitraum 2024/25.

3. Tatkomplexe

Welche Tatkomplexe sind im NaziCrimesAtlas dokumentiert?

Der Atlas erfasst die zentralen Tatkomplexe der NS-Verbrechen umfassend: Pogrome (insbesondere der Novemberpogrom 9./10. November 1938), Krankenmord („Euthanasie"-Verbrechen, Aktion T4 und ihre dezentralen Fortsetzungen), KZ-Verbrechen in Konzentrationslagern und Außenlagern, Zwangsarbeit in Industrie und Landwirtschaft, Deportationen jüdischer Menschen, Sinti und Roma und politischer Gegner, Hinrichtungen durch Sondergerichte und Standgerichte, Endphasenverbrechen 1944/45 (Todesmärsche, Erschießungen kurz vor Kriegsende) sowie Verbrechen der Polizei und Justiz im Inland.

Was sind Pogrome im NS-Kontext und wo finde ich Pogrom-Orte?

Pogrom bezeichnet einen gewaltsamen, meist organisierten Übergriff gegen eine Minderheit. Im NS-Kontext ist insbesondere der Novemberpogrom in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 relevant — beschönigend „Reichskristallnacht" genannt. Über 1.400 Synagogen und Betstuben wurden zerstört oder beschädigt, mehr als 30.000 jüdische Männer in Konzentrationslager verschleppt, mindestens 91 Menschen ermordet, viele weitere in den Tagen darauf. Im NaziCrimesAtlas sind die einzelnen Pogrom-Orte als Pins auf der Karte dokumentiert — mit Aktenzeichen, Tathergang und Verweis auf die zugrundeliegenden Verfahren.

Welche NS-Krankenmord-Tatorte sind dokumentiert?

Im Atlas sind die Hauptorte der „Aktion T4" dokumentiert: die sechs zentralen Tötungsanstalten Grafeneck, Brandenburg, Bernburg, Hartheim (heute Österreich, daher außerhalb des aktuellen NCA-Rahmens), Sonnenstein und Hadamar, in denen zwischen 1940 und August 1941 etwa 70.000 Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen mit Kohlenmonoxid ermordet wurden. Nach dem offiziellen Stopp der zentralen Aktion T4 wurde der Krankenmord dezentral in zahlreichen psychiatrischen Anstalten und Pflegeheimen fortgesetzt — auch diese Orte sind im Atlas verzeichnet, soweit Akten dokumentiert sind. Die Gesamtzahl der NS-Krankenmord-Opfer wird auf etwa 200.000 bis 300.000 geschätzt.

Welche KZ-Verbrechen sind erfasst?

Der Atlas erfasst die Hauptkonzentrationslager (Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Bergen-Belsen, Flossenbürg, Mittelbau-Dora, Neuengamme) sowie die hunderten von Außenlagern, in denen Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Erfasst sind die Verbrechen, die in Gerichtsverfahren dokumentiert sind: Mord, Misshandlung, Vernachlässigung, Erschießungen, medizinische Experimente, Verbrennungen, Verhungernlassen. Insbesondere die Außenlager — von denen es allein im KZ Dachau über 130 gab — sind oft regional wenig bekannt, im NaziCrimesAtlas aber sichtbar gemacht.

Welche Zwangsarbeits-Tatorte sind dokumentiert?

Im Atlas sind Tatorte erfasst, die in Gerichtsverfahren zu Zwangsarbeitsverbrechen verhandelt wurden. Während der NS-Zeit waren in Deutschland rund 13 Millionen Menschen aus den besetzten Gebieten zur Zwangsarbeit verschleppt — in Industrie, Landwirtschaft, Bergbau, Bauwesen. Verzeichnet sind insbesondere jene Orte, an denen es zu dokumentierten Misshandlungen, Tötungen, Hinrichtungen oder massiven Versorgungsmängeln kam. Für die umfassende Dokumentation von Zwangsarbeit verweist der Atlas auch auf die Arolsen Archives in Bad Arolsen, das weltweit größte Archiv zu NS-Verfolgten.

Welche Deportationsorte sind im Atlas?

Verzeichnet sind die Hauptsammelplätze und Deportationsbahnhöfe in deutschen Städten, von denen jüdische Menschen, Sinti und Roma sowie politische Gegner in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt wurden. Wichtige Orte: Berlin Grunewald Gleis 17, Berlin Anhalter Bahnhof, Frankfurt Großmarkthalle, Hamburg Hannoverscher Bahnhof, München Milbertshofen, Köln-Deutz, Düsseldorf-Derendorf, Wuppertal-Steinbeck und viele weitere. Die Deportationen erfolgten zwischen Oktober 1941 und Frühjahr 1945, mit Hauptphase 1942/43.

Welche Endphasenverbrechen sind erfasst?

Endphasenverbrechen bezeichnet die Mord- und Gewaltverbrechen in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs 1944/45 — als das Regime zusammenbrach und SS, NSDAP, Wehrmacht und Volkssturm noch einmal massiv Gewalt entfalteten. Dokumentiert sind die Todesmärsche von Konzentrationslagern in Richtung Westen oder Süden, bei denen Tausende erschöpfte Häftlinge ermordet wurden, sowie Erschießungen von Wehrmachtsdeserteuren, Zwangsarbeitern und kritischen Zivilist:innen kurz vor Kriegsende. Diese Tatorte sind besonders oft regional unbekannt, aber justiziell dokumentiert.

Welche Hinrichtungsorte sind dokumentiert?

Im NaziCrimesAtlas sind die Hinrichtungsorte der zivilen und militärischen NS-Justiz erfasst — also Orte, an denen Menschen ohne rechtsstaatliches Verfahren oder aufgrund nazi-juristischer Pseudoverfahren getötet wurden. Hauptstandorte: die Hinrichtungsstätten Plötzensee (Berlin), Stadelheim (München), Brandenburg-Görden, sowie Hinrichtungen durch das Volksgerichtshof, durch Sondergerichte und durch Wehrmachtsgerichte vor Ort. In den letzten Kriegsjahren auch zahlreiche Standgerichts-Hinrichtungen mit improvisierten Schauplätzen.

4. Bedienung und Recherche

Wie suche ich nach einem Tatort?

Der NaziCrimesAtlas erlaubt drei Sucharten. Erstens: per interaktiver Karte — Sie navigieren auf der Karte zu einem Ort und sehen alle Pins mit dokumentierten Tatbeständen. Zweitens: per Ortsuche — Sie geben einen Ortsnamen oder eine Adresse ein und springen direkt dorthin. Drittens: per Filter — Sie können nach Tatkomplex (Pogrome, Krankenmord etc.), Zeitraum oder Opfergruppe filtern. Jeder Pin enthält Tatbeschreibung, Datum, Opfergruppe, Aktenzeichen und Quellenangabe.

Kann ich nach Tatkomplex filtern?

Ja. In der App und in der Web-Datenbank stehen Filter für die wichtigsten Tatkomplexe zur Verfügung: Pogrome, Krankenmord, KZ-Verbrechen, Zwangsarbeit, Deportationen, Hinrichtungen, Endphasenverbrechen. Sie können einzelne Tatkomplexe ein- oder ausblenden, um beispielsweise nur Deportationen in einer Region anzuzeigen. Die Filter lassen sich kombinieren.

Kann ich offline nutzen?

Die App speichert Kartendaten und Tatortinformationen lokal auf dem Gerät und ist deshalb auch ohne aktive Internetverbindung nutzbar — wichtig für Recherchen vor Ort oder in Regionen mit schlechter Netzabdeckung. Die Web-Datenbank auf nazicrimesatlas.org/output/ erfordert eine Internetverbindung.

Wie finde ich das Aktenzeichen für ein Verfahren?

Zu jedem dokumentierten Tatbestand im NaziCrimesAtlas ist das Aktenzeichen des zugrundeliegenden Gerichtsverfahrens mit aufgeführt — zum Beispiel „2 Ks 1/65 LG München I". Damit können Sie im jeweiligen Staatsarchiv direkt anknüpfen, die vollständige Akte einsehen und für wissenschaftliche oder journalistische Vertiefung nutzen. Der Atlas ersetzt keine Archivarbeit, sondern öffnet den Zugang dazu.

5. App

Gibt es eine App?

Ja. Der NaziCrimesAtlas ist als App für iOS und Android verfügbar. iOS-App: https://apps.apple.com/de/app/nazicrimesatlas/id6738484195. Android-App im Google Play Store: https://play.google.com/store/apps/details?id=net.historyapp.nazicrimesatlas. Die App ist kostenlos und werbefrei.

Was bietet die App, das die Webseite nicht hat?

Die App ist die zentrale Plattform der Recherche und Vertiefung. Hier sind ausführliche Texte zu den einzelnen Verbrechen, Quellenangaben, Abbildungen und pädagogische Inhalte enthalten — die Webseite zeigt die strukturierten Metadaten und Übersichten, aber nicht die volle Tiefe. Die App ist außerdem offline-fähig und ortsbasiert nutzbar: das Smartphone zeigt vor Ort, welche Verbrechen genau hier geschahen.

Ist die App kostenlos?

Ja, die App ist kostenfrei verfügbar. Sie enthält keine Werbung und kein Tracking. Die Entwicklung und der Betrieb werden durch die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) und das Bundesministerium der Finanzen im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht gefördert.

Welche Berechtigungen verlangt die App?

Die App benötigt nur die Berechtigung zur Standortabfrage — und auch das nur, wenn Sie die ortsbezogene „Was ist hier in meiner Nähe geschehen?"-Funktion nutzen wollen. Sie können die App auch ohne Standortfreigabe vollständig nutzen, dann arbeiten Sie mit manueller Ortsangabe oder Kartennavigation. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben oder übertragen.

6. Rechtliches und Nutzung

Darf ich Daten des NaziCrimesAtlas für meine Recherche verwenden?

Die Inhalte des NaziCrimesAtlas dürfen für nicht-kommerzielle Zwecke der Forschung, Bildung, Berichterstattung und Erinnerungskultur genutzt werden — unter Angabe der Quelle „NaziCrimesAtlas — dieKunstBauStelle e. V.". Die Nutzung einzelner Einträge, Zitate oder Datensätze für wissenschaftliche Arbeiten, journalistische Beiträge oder pädagogische Materialien ist auf dieser Grundlage gestattet.

Wie zitiere ich den NaziCrimesAtlas?

Empfohlene Zitation: „NaziCrimesAtlas — Digitaler Atlas NS-Verbrechen. dieKunstBauStelle e. V., Landsberg am Lech 2024 ff. URL: https://nazicrimesatlas.org/". Bei Bezug auf einzelne Tatorte bitte zusätzlich das im Atlas angegebene Aktenzeichen angeben, damit die Primärquelle nachvollziehbar bleibt. Für wissenschaftliche Vertiefung wird empfohlen, die zugrundeliegende Akte im jeweiligen Staatsarchiv einzusehen.

Was ist bei der Nutzung NICHT gestattet?

Nicht gestattet sind insbesondere: der vollständige oder nahezu vollständige Download des Datenbestands; die Nutzung vieler Datensätze gleichzeitig für statistische Gesamtauswertungen oder eigene Datenbanken; die Weitergabe größerer Teile des Datenbestands an Dritte; das Befüllen oder Trainieren externer Datenbanken oder KI-Systeme mit dem Gesamtbestand oder wesentlichen Teilen davon. Für jede darüber hinausgehende Nutzung ist eine vorherige schriftliche Genehmigung der dieKunstBauStelle e. V. erforderlich.

Darf ich Screenshots der App in Vorträgen verwenden?

Ja — für Vorträge, Workshops, Seminare und Schulunterricht sind Screenshots der App und der Webseite unter Angabe der Quelle erlaubt. Bitte verwenden Sie die Formulierung „NaziCrimesAtlas — dieKunstBauStelle e. V." als Bildunterschrift. Bei kommerzieller Nutzung (z. B. Verlage, kommerzielle Online-Plattformen) ist eine schriftliche Genehmigung erforderlich.

7. Pädagogik und Bildung

Ist der NaziCrimesAtlas für Schulen geeignet?

Ja. Der NaziCrimesAtlas wurde unter anderem für den Einsatz an Schulen konzipiert. Der ortsbezogene Ansatz macht Geschichte für Schüler:innen unmittelbar erfahrbar — sie sehen, dass NS-Verbrechen nicht „irgendwo weit weg" stattfanden, sondern direkt am eigenen Schul- oder Wohnort. Der Atlas eignet sich besonders für Sekundarstufe I und II, für Geschichts-, Sozialkunde-, Religions- und Ethikunterricht sowie für fachübergreifende Projektarbeit.

Welche Altersstufen werden empfohlen?

Der NaziCrimesAtlas richtet sich an Personen ab etwa 14 Jahren. Für jüngere Kinder sind die Inhalte aufgrund ihrer historischen Schwere und Detailtiefe nicht geeignet. Eine pädagogische Begleitung wird ausdrücklich empfohlen — insbesondere wenn Schüler:innen mit konkreten Tatorten in ihrer Umgebung konfrontiert werden, die emotional belastend sein können.

Gibt es Schulungen für Lehrkräfte?

Ja. Die dieKunstBauStelle e. V. bietet regelmäßig Online-Workshops und Schulungen für Lehrkräfte und Multiplikator:innen an. Themen sind unter anderem: Einführung in den NaziCrimesAtlas, didaktischer Einsatz im Unterricht, Recherchemethoden, Verbindung zu lokalen Gedenkstätten. Aktuelle Termine: https://nazicrimesatlas.org/mitmachen/schulungen/

8. Wissenschaftliche Methodik

Wie werden Täter im Atlas behandelt?

Im NaziCrimesAtlas werden Täter grundsätzlich nicht namentlich genannt, sondern nach Funktionsbezeichnung — etwa „SS-Wachmann", „Lagerarzt", „Bürgermeister", „Polizeibeamter". Diese Entscheidung hat zwei Gründe: erstens persönlichkeitsrechtliche Schutzwürdigkeit nach Ablauf entsprechender Fristen, zweitens die methodische Ausrichtung des Projekts auf die Sichtbarmachung von Tat und Opfer, nicht auf eine Personalisierung der Täter. Wer nachforschen möchte, findet im jeweiligen Aktenzeichen den Zugang zu Namen und Verfahren im Archiv.

Wie werden Opfer dargestellt?

Opfer werden im NaziCrimesAtlas nach Opfergruppen kategorisiert — jüdische Bevölkerung, Sinti und Roma, politische Gegner, Zeugen Jehovas, Homosexuelle, Menschen mit Behinderungen, Zwangsarbeiter:innen, sowjetische Kriegsgefangene, polnische und sowjetische Zivilbevölkerung. Bei dokumentierten Einzelopfern werden Namen genannt, soweit sie in den Akten überliefert sind und keine schutzwürdigen Interessen entgegenstehen. Die Würdigung der Opfer hat methodische Priorität gegenüber der Täterdarstellung.

Was sind die Grenzen der Datenbasis?

Die Datenbasis ist umfangreich, aber nicht vollständig. Drei Einschränkungen: Erstens kamen nicht alle Taten vor Gericht — viele Verbrechen wurden nie angezeigt, nicht ermittelt oder mangels Beweisen eingestellt. Was nicht verhandelt wurde, ist auch nicht in den Akten dokumentiert. Zweitens lassen sich aktenmäßige Tatortbezeichnungen nicht immer auf eine genaue Adresse oder Koordinate übersetzen. Drittens war die westdeutsche Justiz selbst geprägt von ihrer Zeit — sie billigte vielen Tätern den Status von Gehilfen zu, Strafmaße fielen häufig niedrig aus, Freisprüche kamen vor. Akten geben Auskunft über das Verfahren, nicht zwingend über das volle Ausmaß der Tat.

9. Mitwirkung und Beiträge

Kann ich eigene Recherchen beitragen?

Ja. Der NaziCrimesAtlas versteht sich als partizipatives Projekt. Wenn Sie lokale Recherchen, Erinnerungstexte, historische Fotos oder Hinweise auf weitere Tatorte beitragen möchten, kontaktieren Sie uns unter info@nazicrimesatlas.org. Beiträge werden geprüft und nach redaktioneller Bearbeitung in die App aufgenommen. Verbindungen zu Stolpersteinen, Gedenktafeln und Gedenkstätten werden ebenfalls dankbar angenommen.

Wie melde ich Ergänzungen oder Korrekturen?

Korrekturhinweise oder Ergänzungen senden Sie bitte per E-Mail an info@nazicrimesatlas.org. Bitte geben Sie das Aktenzeichen oder den Tatort, auf den sich die Korrektur bezieht, möglichst präzise an, ebenso Ihre Quelle. Wir prüfen jeden Hinweis und nehmen die Änderung nach Verifizierung vor.

Gibt es Netzwerktreffen?

Ja. Der NaziCrimesAtlas veranstaltet regelmäßige Netzwerktreffen, bei denen Initiativen, Bildungseinrichtungen, Gedenkstätten und Forschende zusammenkommen. Bisher fanden statt: Auftakt 10. Dezember 2024 in Berlin, Netzwerktreffen 9.–12. Juli 2025 in Augsburg (60 Teilnehmende aus ganz Deutschland). Weitere Termine werden über den Newsletter angekündigt.

10. Förderung und Trägerschaft

Wer ist Träger des NaziCrimesAtlas?

Projektträger ist die dieKunstBauStelle e. V., ein gemeinnütziger Kulturverein mit Sitz in Landsberg am Lech, gegründet 2014 vom Künstler Wolfgang Hauck. Der Verein fördert Kunst, Kultur, Bildung und Jugendarbeit und konzentriert sich seit über zehn Jahren auf innovative Geschichtsprojekte. Eingetragen im Vereinsregister Augsburg unter VR 201542.

Wer fördert das Projekt?

Hauptförderer ist die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) im Rahmen der Bildungsagenda NS-Unrecht. Die Bildungsagenda wird ihrerseits vom Bundesministerium der Finanzen aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages finanziert. Die Förderung ermöglicht den kostenfreien Zugang zur App und zur Datenbank für alle Nutzer:innen.

Ist das Projekt politisch oder konfessionell gebunden?

Nein. Der NaziCrimesAtlas ist parteipolitisch und konfessionell unabhängig. Trägerin ist eine zivilgesellschaftliche Organisation, die wissenschaftlichen Standards und der Erinnerungskultur verpflichtet ist. Die Förderung durch die Stiftung EVZ und das Bundesministerium der Finanzen erfolgt im Rahmen öffentlicher Erinnerungsarbeit, nicht im Dienst einer politischen Agenda.